background
background
background
background

Klimaschutz fängt im Haushalt an!

Wir verbrauchen weltweit zu viele Ressourcen auf Kosten der nachfolgenden Generationen. Notwendige Verhaltensänderungen betreffen alle Ebenen der Gesellschaft. Nachhaltiges Denken und Handeln sind nicht nur in der Politik und Wirtschaft, sondern auch in jedem Privathaushalt gefragt.

Seit 2007 nimmt die Berufsbildende Schule Ritterplan am Aktionstag "Nachhaltiges Waschen/Trocknen/Spülen und Reinigen" teil. Ziel dieser Aktionen ist es, Verbraucher auf ansprechende Weise zum nachhaltigen Handeln beim Waschen, Spülen und Reinigen zu informieren.

In Deutschland werden pro Person wöchentlich im Durchschnitt 4 Kilogramm Wäsche gewaschen, getrocknet und teilweise gebügelt. Allein beim Waschen werden pro Jahr über 600.000 Tonnen Waschmittel, circa 6 Milliarden Kilowattstunden Strom und etwa 330 Millionen Kubikmeter Wasser verbraucht. Durch den richtigen Umgang mit Waschmaschine, Waschmitteln und durch Trocknen möglichst im Freien kann der Energie-, Wasser- und Chemieeinsatz deutlich gemindert werden. Auch beim Geschirrspülen und der Hausreinigung lassen sich Energie und Wasser und damit auch Geld sparen.

Hier besteht Aufklärungsbedarf, denn das dafür erforderliche Wissen und die praktischen Fertigkeiten werden kaum mehr in den Schulen vermittelt und in den Familien nur unzureichend an die Kinder weiter gegeben.

Unsere Aktionen richten den Blick auf den Energie- und Wasserverbrauch sowie die richtige Auswahl und Dosierung von Wasch- und Reinigungsmitteln. Hierüber sollen nachhaltige Kenntnisse zu effizienten Reinigungsverfahren vermittelt werden. Nachwachsende Rohstoffe für die Produktion der Wasch- und Reinigungsmittel, fairer Handel mit Textilien und eine menschenwürdige Produktion der Kleidung sind weitere sensible Informationsthemen.

Wir informieren u. a. über die Anschaffung energieeffizienter Geräte und motivieren den Verbraucher, seinen Energieverbrauch durch gezielte Maßnahmen (Senken der Waschtemperatur, Eco-Programme) zu reduzieren.

Darüber hinaus erfassen wir über Fragebögen Daten der Bürger zum Wasch- und Spülverhalten und leiten sie zur Auswertung an die Universität Bonn weiter (Ansprechpartner/Projektleiter: Professor Stamminger).

Unterstützt werden wir bei unseren Aktionen durch das FORUM WASCHEN. (www.forum-waschen.de). Im FORUM WASCHEN arbeiten über 30 Vertreter aus Behörden, Hochschulen, Gewerkschaften, Industrie, Kirchen, Ministerien, Nichtregierungsorganisationen, Umweltorganisationen und Verbraucherverbänden im Handlungsfeld „Nachhaltigkeit beim Waschen und Reinigen“ zusammen.

Seit 2007 gehört auch die Göttinger Berufsbildende Schule Ritterplan zu diesen Akteuren und arbeitet dort kontinuierlich in der Projektgruppe Verbraucherkommunikation mit.

Darüber hinaus akquirieren die betreuenden Kolleginnen unserer Schule weitere Multiplikatoren für die Ausführung dieser Aktionen in ihren Einrichtungen. Im Rahmen dieser Tätigkeit informieren wir Kolleginnen und Kollegen anderer Bildungseinrichtungen und Organisationen.

Wie gehen wir vor? Mit Beginn des neuen Schuljahres werden den Schülern Projekte aus den Vorjahren vorgestellt. Anschließend erhalten sie im Unterricht die erforderliche Fachkompetenz zur nachhaltigen Wäschepflege und Reinigung im privaten Haushalt wie im Dienstleistungshaushalt und planen dann in Gruppen mögliche neue Aktionen.

Beispiele unserer zurückliegenden Aktionen:

  • Information und Beratung in Verbrauchermärkten und der Göttinger Fußgängerzone
  • Informationsnachmittage in Nachbarschaftszentren (Besucher verschiedener Nationalitäten)
  • Spielerische Aufklärung von Kindergartenkindern
  • Einweisung von Grundschülern in die Wäschepflege in unserem schulinternen "Waschsalon"
  • Infostände in Göttinger Mensen für die Studenten
  • Infostand in Zusammenarbeit mit der Energieagentur Göttingen während der Göttinger Energietage
  • Mitarbeit in der Klimawerkstatt der Stadt Göttingen
  • Gemeinsame Veranstaltungen mit dem Energieunternehmen EON
  • Infoveranstaltungen an Kooperationsschulen in der Stadt Göttingen
  • Infoveranstaltungen am Tag der offenen Tür an den BBS Ritterplan und auf Berufsmessen
  • Einrichten eines "rollenden Schulungskoffers"
  • Waschseminar für Männer (Witwer und alleinstehende Männer)
  • Organisation von Ausstellungen; z. B. "Armut unter Palmen" anlässlich der Aktionstage "Bildung für nachhaltige Entwicklung" der Deutschen UNESCO-Kommission. Diese Ausstellungen werden von den Lehrkräften im Unterricht vorbereitet und begleitet von einer Referentin der Institution "Bildung trifft Entwicklung" - Regionale Bildungsstelle Nord- in Göttingen.

Unsere geplanten Aktionen melden wir beim FORUM WASCHEN an und erhalten von dort das erforderliche Informationsmaterial (firmenneutral!). Das Informationsmaterial nutzen die Schüler gezielt für ihre Vorbereitung. Nach der Durchführung der Aktion(en) verfassen die Schüler einen Bericht und fügen Foto- und/oder Filmmaterial an. Eine Jury bewertet die Aktionen und vergibt (nach Kategorie) Preise.

Wie machen wir auf uns aufmerksam? Die eigenen Aktionen werden durch Plakate am jeweiligen Durchführungsort angezeigt. Hinzu kommen Ankündigungen in der regionalen Presse (Göttinger Tageblatt, Blick), im Rundfunk (ffn) und über Fachzeitschriften. Plakataktionen, z. B. in den Göttinger Stadtbussen oder Auslagen an zentralen Stellen in der Stadt, machen (abhängig von der jeweiligen Aktion) ebenfalls auf die geplanten Maßnahmen aufmerksam.

Wie arbeiten wir weiter? Ziel ist es, in den Aktionen Verbraucher aus den unterschiedlichen Bevölkerungs- und Einkommensgruppen zu erreichen. Für Verbraucher mit sprachlichen Barrieren stehen Infomaterialien vom FORUM WASCHEN in zahlreichen Sprachen und in Form von Bildkarten zur Verfügung..

Zur Zeit stellen wir Überlegungen an, wie wir zukünftig auch die verschiedenen Volksgruppen der Flüchtlinge erreichen.

Wir arbeiten seit mehreren Jahren aktiv in der Klimawerkstatt Göttingen mit.

Was erreichen wir mit unseren Aktionen? Die Schüler entwickeln ein Bewusstsein für nachhaltiges Handeln. Sie erkennen ihre persönliche Mitverantwortung für Menschen und die Umwelt. Sie entwickeln Solidarität (fairer Handel, ökologischer Anbau,...) und übernehmen Mitverantwortung. Verbraucher werden informiert und ändern bestenfalls ihr (Konsum)verhalten.

Ökonomie: Einsparung von Energie, Wasser und Chemie führen zur Einsparung finanzieller Mittel.

Ökologie: Fachgerechte Auswahl und Dosierung der Wasch- und Reinigungsmittel reduziert die Abwasserbelastung und schont Textilien/Materialien. Waschen bei Niedrigtemperaturen erfordert weniger Energie. Bewusster Einkauf von Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen spart Ressourcen ein.

Soziales: Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Anbau von nachwachsenden Rohstoffen, fairem Handel, sozialer Verantwortung der Waschmittelfirmen in den Anbauländern der Rohstoffe und menschenwürdigen Arbeitsbedingungen in der Textilproduktion führen zu reflektiertem Verbraucherverhalten.

Die eigenständige Organisation der Veranstaltungen und der Kontakt mit dem Verbraucher stärken das Selbstbewusstsein der Schüler. Sie merken, dass sie etwas bewegen können, "aufgeklärte Verbraucher" sind und dass ihr Engagement belohnt wird (1., 2. und 3. Preise Aktionstag, Energiesparmeister 2010, positive Resonanz bei den Veranstaltungen durch die Besucher). Sie werden als Multiplikatoren in ihren Familien und Ausbildungsbetrieben aktiv und tragen so aktiv zum Schutz der Umwelt bei.

(Text: Elfi Schuchar)