Ganz unglaublich, wie sehr Zeit tatsächlich wie im Fluge vergehen kann. Unser Abenteuer Auslandspraktikum neigt sich dem Ende zu und wir haben das Gefühl, dass es noch so vieles zu entdecken und zu erleben gibt, dass die Zeit aber einfach nicht ausreicht.
Mittlerweile haben wir es geschafft, auch andere niederländische Städte zu erkunden. So sind wir in s’Hertogenbosch (liebevoll Den Bosch genannt), Den Haag und Tilburg gewesen. Es ist bezeichnend, dass jede Stadt ihr eigenes Flair hat. Besonders angetan haben es uns die kleinen Gassen und Seitenstraßen der Fußgängerzonen, die schöne und urige Cafés beherbergen. Überhaupt sind die Innenstädte sehenswert, immer gibt es alte Häuser mit besonderen Fassaden anzuschauen und überall sind die Fußgängerzonen festlich geschmückt und beleuchtet. Dennoch haben wir festgestellt, dass unser Eindhoven für uns genau die richtige Stadt ist, wir fühlen uns hier wirklich heimisch.
Eindhoven wird nun zur „Winterstad“. Alles ist wunderschön beleuchtet, gerade bei Dunkelheit entfaltet die Innenstadt nun noch einen besonderen Reiz. Zudem wurde mitten auf dem Marktplatz eine Eisbahn aufgebaut. Es ist eine feine Sache, auf der (beheizten) Terrasse eines der Cafés zu sitzen und dem Treiben auf dem Eis zuzuschauen.
Kann man bei nasskaltem Wetter die Menschen in Göttingen auf der Straße zählen, scheint dieses den Niederländern nichts anhaben zu können. Hier geht trotzdem jeder vor die Tür und es ist klasse, dass bei jedem Wetter in der Stadt „etwas los ist“. Wir haben schon so manches Mal gelacht, wenn wir wieder pitschnass nach Hause kamen und daran gedacht, dass wir in Deutschland wohl nicht ohne triftigen Grund stundenlang durch den Regen laufen würden. Obwohl wir manchmal tatsächlich einen triftigen Grund vorweisen können um des Abends noch eben in die Stadt zu laufen: argen Appetit auf Olie- oder Kersenbollen. Diese kann man an Verkaufswagen mit der verlockenden Überschrift „Hollandse Gebakkraam“ erstehen und diese Teilchen sind warm und mit Kirschen oder anderem Süßen gefüllt und duften lecker und überhaupt…ach und frittiert sind sie natürlich auch. Nix für die schlanke Linie, dafür umso mehr Genuss an kalten Winterabenden.
Es geht ja nun schnurstracks auf Weihnachten zu, aber hier ist das größte Fest ein anderes. Sinterklaas und der Zwarte Piet waren da! Man kann wohl einige Parallelen zum Nikolaus ziehen und doch hat das Fest hier eine gewichtigere Bedeutung. Der Sinterklaas reitet auf einem Schimmel über die Dächer und sein Helferlein Zwarte Piet (von denen es eine ganze Menge gibt) rutscht durch die Schornsteine und verteilt Geschenke in die vorher von den Kindern bereitgestellten Stiefel. Seit der Ankunft des Sinterklaas und seiner Helferlein Mitte November sind diese bis zum eigentlichen Festtag stets präsent gewesen – sei es im TV oder in Form von verkleideten und schwarz bemalten Menschen in der Stadt. Eine schöne Tradition, wie wir finden.
Man mag bezweifeln ob das folgende Thema hierher gehört, doch wir fühlen uns verpflichtet, etwas über die „Feierkultur“ hier in Eindhoven zu berichten. Diese ist nämlich keineswegs mit der deutschen zu vergleichen. Hier gibt es die sogenannte „Stratumseind“ – eine enge Straße in der Fußgängerzone, in der sich Cafès / Clubs / Pubs / Kneipen aneinanderreihen. Eine einheitliche Bezeichnung für diese Läden zu finden ist wirklich schwierig, denn es läuft überall Musik und es wird überall getanzt, egal ob eine Tanzfläche vorhanden ist oder nicht. Die Läden sind größtenteils sehr klein und jeder auf seine Art besonders. Da man nirgendwo Eintritt bezahlt, kann man von einem zum nächsten schlendern und somit ist es auch draußen meist proppenvoll. Es gibt mehrere öffentliche Garderoben und der Großteil der Stratumseind-Besucher bewältigt die kurzen Wege zwischen den Läden trotz Eiseskälte nur mit T-Shirt bekleidet. Interessant ist auch, dass unter der Woche alles um zwei Uhr schließt und an den Wochenenden um vier Uhr. Und zwar pünktlich! Beeindruckend, dass das hervorragend klappt und jedermann brav den Heimweg antritt. Die Atmosphäre ist toll, obwohl es teilweise doch ein arges Gedränge ist, herrscht eine ausgelassene aber friedvolle Stimmung.
Apropos ausgelassene Stimmung – eine ebensolche durfte Ronja vergangenen Samstag erleben. Dank ihrer Arbeitsstätte kam sie als Begleitung in den Genuss, im Philips-Stadion ein Spiel des PSV Eindhoven aus der ersten Reihe verfolgen zu können. Dass dieser das Spiel gegen Alkmaar 1:0 für sich entscheiden konnte, war nur der krönende Abschluss eines ohnehin beeindruckenden Erlebnisses.
Einem beeindruckenden Erlebnis einer anderen Art durfte Antje vergangene Woche beiwohnen. Gemeinsam mit Kolleginnen nahm sie an einem Bingo-Abend teil. Obwohl dies zunächst etwas dröge klingen mag, war es mehr als gesellig und obwohl sie keinen Preis gewann, trat sie zufrieden ob eines spaßigen Abends den Heimweg an.
Und bald treten wir beide nun schon den Heimweg nach Deutschland an. Zeit, um ein kleines Fazit zu ziehen. Würden wir es wieder wagen? Jederzeit! Würden wir es wieder zusammen wagen? Jederzeit!
Wir möchten uns ganz herzlich bei der BBS Ritterplan bedanken, dass sie ein solches Projekt möglich macht. Vor allem bei Kathrin Bittner, die soviel Zeit und Herzblut in dieses Projekt steckt und uns allen soviel Mut gemacht hat.
„Hartelijk bedankt“ an unsere Einrichtungen. Wir haben uns sehr wohlgefühlt und sind jeden Tag gerne zur Arbeit gegangen. Danke für die Offenheit, Freundlichkeit und Unterstützung aller Mitarbeiter und dafür, dass wir die Chance bekommen haben, viel Neues zu lernen und viele positive Erfahrungen zu machen.
Tausend Dank auch an die beiden „alten Perlen“ Ari und Doro für eine unterstützende Begleitung, die uns wirklich weitergeholfen hat und an Frau Hommel, die sich als begleitende Lehrkraft mit all unseren Fragen auseinandersetzen musste.
Vielen Dank auch an Hein von der ROC Eindhoven, der uns vor Ort unterstützt hat und uns immer ein zuverlässiger und hilfreicher Ansprechpartner war.
Wir freuen uns auf die verbleibenden Tage und werden diese sicher noch genießen. Wir werden viele tolle Erfahrungen und Erlebnisse mit nach Deutschland nehmen und auf eine Zeit zurückblicken, die wir niemals mehr missen möchten. Auf unseren ersten Aufenthalt in Eindhoven, der sicherlich nicht der letzte gewesen sein wird.
Bis bald in Deutschland! Oder wie man hier sagt: Tot ziens!
Ronja und Antje




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